Das Orchester in dir: Warum weniger Anstrengung im Pilates oft mehr ist
Erfahre, warum Pilates wie ein Symphonieorchester funktioniert. Entdecke Tipps für den Criss Cross & lerne, wie du mit weniger Muskelanstrengung mehr Effizienz im Training erreichst.
Um zu erklären, wie Pilates im Körper wirkt, nutze ich besonders gerne ein Bild aus der Musik: das Symphonieorchester.
Stell dir ein Orchester auf der Bühne vor, das ein wunderschönes Stück spielt. Jedes Instrument hat seine ganz spezifische Rolle. Alle Musikerinnen und Musiker müssen die richtige Note im exakten Moment und in der passenden Lautstärke treffen. Wenn die Geigen zu früh einsetzen, stören sie den Spielfluss. Wenn die Tuba im Hintergrund viel zu laut bläst, übertönt sie das gesamte Ensemble. Das Musikstück verliert seine Harmonie – statt Wohlklang entsteht Lärm.
Unser Körper funktioniert ganz ähnlich.
Jeder Muskel hat seinen eigenen Part. Muskeln müssen im richtigen Moment, in der richtigen Reihenfolge und mit der angemessenen Kraft anspringen. Wenn ein Muskel zu hart arbeitet – also gewissermaßen zu „laut“ spielt –, übertönt er die anderen. Die Bewegung fühlt sich dann anstrengend, mühsam und unrund an, statt fließend und effizient zu sein.
Warum mehr nicht automatisch besser ist
In vielen klassischen Sportarten heißt es oft: „Voll mitmachen – lauter spielen!“. Pilates wählt einen ganz anderen Zugang.
Manchmal laden wir einen dominanten Muskel dazu ein, seine Stimme ein wenig zu senken, damit ein leiserer Muskel überhaupt erst gehört werden kann. Wir lernen wahrzunehmen, welche Muskelgruppen gerne die Arbeit an sich reißen und welche sich bisher versteckt haben. Wir feilen an Timing, Präzision und Feinabstimmung, bis das gesamte System harmonisch zusammenspielt.
Das Ergebnis: Nicht weniger Kraft – sondern deutlich bessere Koordination. Wie bei einem eingespielten Orchester entsteht die Magie nicht dadurch, dass ein Instrument am lautesten brüllt, sondern dass alle genau das beitragen, was gerade gebraucht wird.
So wird das Training intensiv und effizient – und oft reichen schon 5 bis 10 Minuten am Tag, um neue Bewegungsmuster im Alltag zu etablieren.
Ein Beispiel aus der Praxis: Der Criss Cross
Eine wunderbare Übung, an der man dieses Zusammenspiel direkt spüren kann, ist der klassische Criss Cross.
Zu viel „Tuba“ (Muskel-Überlastung): Wenn wir versuchen, den Oberkörper mit reiner Muskelkraft und maximaler Anstrengung hochzureißen, übernehmen oft die Nackenmuskeln und die Oberschenkelvorderseite das Kommando. Der Nacken verspannt, die Bewegung wird starr und man kämpft sich durch die Wiederholungen.
Das Orchester in Harmonie: Wenn wir die Spannung im Nacken bewusst reduzieren („leiser werden lassen“), bekommen die schrägen Bauchmuskeln und die tiefen Stabilisatoren der Mitte Raum zu arbeiten. Die Drehung kommt geschmeidig aus der Brustwirbelsäule, der Atem fließt frei, und die Bewegung wird trotz hoher Intensität leicht und kontrolliert.
Video-Anleitung: Der klassische Pilates Criss Cross in Harmonie
🎬 Kurze Videoanleitung: Schau dir im Video mit Nicole an, wie du die Nackenspannung beim Criss Cross herausnimmst und die Rotation sauber aus der Brustwirbelsäule einleitest.
Fazit & Ausblick
Wenn wir Pilates nicht als reinen Kraftakt verstehen, sondern als ein Entdecken und Verfeinern unserer eigenen Bewegungsmuster, wird das Training nicht nur effektiver, sondern macht auch viel mehr Freude.
Wir freuen uns darauf, in den nächsten Einheiten in unseren Pilates Studio-Räumen in Graz (im Hof & im Lend) gemeinsam mit dir an deiner ganz persönlichen Bewegungsharmonie zu feilen!
Nicole unterrichet bei uns die klassische Reihenfolge auf der Matte, immer dienstags Pilates KLASSISCH um 18:15.
Theres & Dein Team von Pilates im Hof
💡 Ein kleiner Fun-Fact aus meinem Leben:
Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben: Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich Cello am Konservatorium gespielt. Das Spielen im Orchester hat mir schon früh gezeigt, wie faszinierend aber doch auch schwierig das Zusammenspiel einzelner Stimmen ist – genau dieses Prinzip leitet mich heute auch im Pilates-Training. 🎻
Inspirationsquelle:
Die Metapher des Symphonieorchesters geht auf eine wunderbare Idee meiner Mentorin und Ausbildungspartner Mara Sievers (Pilates Encyclopedia) zurück. Ich habe den Gedanken hier für unsere Praxis im Studio aufgegriffen und ergänzt.